Städte, Gebäude und Wohnen

Das Handlungsfeld Städtebau, Gebäude und Wohnen beschäftigt sich mit der Planung und Gestaltung bestehender und zu entwickelnder Ulmer Quartiere mit besonderem Fokus auf bedarfsgerechte Baustrukturen und Wohnformen sowie den öffentlichen Raum. Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) von 2019 hat sich die Stadt Ulm bereits klare städtebauliche und wohnungspolitische Ziele gesetzt. Die Ziele tragen dem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum der Stadt Ulm Rechnung: Bedingt durch den steten Zuwachs an Arbeitsplätzen sowie die Fertigstellung der ICE-Schnellstrecke nach Stuttgart entwickelt sich Ulm zu einem immer attraktiveren Wohnort. Folglich steigt der Bedarf an Wohnraum. Bereits 2017 beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Baufertigstellungszahlen pro Jahr zu verdoppeln, und zwar von 350 auf 700 Wohneinheiten, d.h. 3500 Wohneinheiten für den Zeitraum 2017 bis 2021. Die Mindestquote geförderter Wohnungen wurde dabei von 20 auf 30 % erhöht, um auch einkommensschwache Haushalte besser mit Wohnraum zu versorgen.

Um im Sinne einer kompakten Stadt mit kurzen Wegen und hoher Lebensqualität diese Ziele zu realisieren, setzt die Stadt Ulm den Entwicklungsschwerpunkt auf Innenentwicklung und Mehrgeschossbau. Im Blick stehen dabei insbesondere die noch verbleibenden Konversionsflächen sowie die Nachverdichtung im Bestand. Eine Stärke der Ulmer Stadtentwicklung ist der besondere Fokus auf eine integrative und inklusive Quartiersentwicklung.

Herausfoderungen

Vor dieser Ausgangslage bieten sich für die weitere Annäherung an das Handlungsfeld Städtebau, Gebäude und Wohnen vier querschnittsorientierte Themenfelder zur genaueren Betrachtung und Einordnung an. Sie beschreiben zentrale Herausforderungen, die mit Blick auf die potenzielle Integration digitaler Lösungen Grundlagen für die Entwicklung geeigneter Projekte und Maßnahmen darstellen sollen.

Für Ulm als wachsende Stadt stellt sich zunächst die Frage, wie die gerechte Verteilung knapper Flächen geregelt werden kann, um den benötigten Wohnraum im Ausgleich mit den Interessen von Gewerbe und Naturschutz gemeinwohlorientiert zu entwickeln. In Ulm befindet sich ein hoher Anteil an verfügbaren Flächen in kommunalem Besitz. Insbesondere durch die Vergabe eigener Flächen kann die Stadt Ulm nutzergetragene Ansätze fördern, um zum Beispiel in Koproduktion mit Baugruppen oder den kommunalen Wohnungsbauunternehmen lebendige, authentische und vielfältige Quartiere zu entwickeln. Besonders die angestrebte Innenentwicklung erfordert ein hohes Maß an Sensibilität für vorhandene räumliche und soziale Strukturen, auch mit Blick auf die einhergehende Inwertsetzung und Entwicklung von Frei- und Grünräumen.

Indem Teilhabe an Planungsprozessen kontinuierlich sichergestellt wird besteht die Möglichkeit, eine höhere Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erreichen, denn oftmals bringt die Innenentwicklung ein hohes Konfliktpotenzial mit sich. Hier ist es wichtig, die Bedürfnisse der Bürger:innen genauer zu kennen, diese ernst zu nehmen und planerische Abwägungen und Entscheidungsverfahren klar und transparent zu kommunizieren. Teilhabe kann daher in diesem Zusammenhang ein weit gefasstes Feld beschreiben. Es sollte sowohl die Vermittlung von Informationen und Wissen zu planerischen Abwägungsprozessen beinhalten als auch die Kultur demokratischer Meinungsbildung befördern. Zudem tragen Bürger:innen zu neuen und ergänzenden Planungsgrundlagen bei, etwa indem sie ihr lokales Wissen einbringen.

Angebot und Räume für bürgerschaftliches Engagement sind gleichzeitig Voraussetzung für eine integrierte Quartiersentwicklung. Der besondere Fokus Ulms auf die Entwicklung seiner Quartiere ermöglicht neben der aktiven Förderung fußläufiger Nahversorgung und guten nachbarschaftlichen Strukturen auch die Forcierung ökologischer Themen wie die energetische Sanierung und klimasensible Planung, sowohl auf Ebene einzelner Gebäude, als auch im Gesamtquartier. Weiterhin kann die Herausbildung quartiersspezifischer Profile, etwa durch besondere Verschränkung mit gewerblichen und produktiven Funktionen oder die Fokussierung auf bestimmte zukunftsfähige Mobilitätsangebote (z.B. fußläufig, autoarm, fahrradfreundlich) lokale Identitäten prägen. Auch neue (digitale) Arbeitsformen wie Coworking oder Homeoffice stellen Herausforderungen an flexible Grundrisse und gemeinschaftlich nutzbare Räume im Quartier.

Damit eng verbunden ist schließlich das vierte querschnittsorientierte Themenfeld: der öffentliche Raum. Die globale Klimaerhitzung stellt erweiterte Anforderungen an qualitätsvolle Freiräume, blau-grüne Infrastrukturen rücken vermehrt in den Fokus. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft in der Öffentlichkeit, sich an Pflege und Unterhalt halböffentlicher Freiräume zu beteiligen, etwa durch gemeinschaftliches Gärtnern oder Pflegepatenschaften. Auch über die Aufteilung des öffentlichen Raums in der wachsenden Stadt Ulm wird eine Diskussion stattfinden müssen: Das versteckte Potenzial von Parkplätzen und Straßenraum könnte (temporär) gehoben werden, sollte eine Mehrheit der Stadtgesellschaft z.B. die Reduktion von exklusiven Flächen für den motorisierten Individualverkehr in dichten, innerstädtischen Lagen befürworten. Über die Umverteilung von vorhandenen Verkehrsflächen zugunsten der Fuß- und Radverkehrsinfrastrukturen könnte ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Die Entsiegelung von Flächen sowie die Inwertsetzung, Entwicklung und Verbindung vorhandener Grünräume stellen Handlungsoptionen für die Stärkung blau-grüner Infrastrukturen bzw. die Förderung von Biodiversität in der Stadt dar.

Ziele

Die zukunftsfähige Gestaltung und Entwicklung von öffentlichem Raum ist eine sehr komplexe und vielschichtige Herausforderung, die nicht allein im Städtebau zu diskutieren ist, sondern außerdem Belange der Verkehrsplanung, des Einzelhandels, der Freiraumplanung und des Naturschutzes abwägen muss. Analog zum Thema der Flächenverteilung kann es dabei hilfreich sein, Daten aus Sektoren, die den öffentlichen Raum konstituieren, zu erheben und auszuwerten. Dies betrifft u.a. Daten zu Bewegung, Aufenthalt, Umwelt und Grün, Mobilität, Nutzungsdruck und Flächenbelegung. Sie können auf unterschiedlichen datenschutzkonformen Wegen gewonnen werden. Wichtig ist ihre Integration auf einer Plattform. Gelingt es der Stadt zum Beispiel, anonymisierte Bewegungsprofile von Sharing-Angeboten oder Fitness-Apps zu gewinnen und diese mit Geoinformations- und Umweltdaten zu verknüpfen, ist ein vertieftes Verständnis für die Nutzung des öffentlichen Raumes möglich.

Zusammenfassend zeigt sich, dass urbane Daten sowie digitale Anwendungen und Technologien die Arbeit an den Herausforderungen des Handlungsfelds Städtebau, Gebäude und Wohnen auf verschiedenen Ebenen unterstützen können: Die Erhebung und Auswertung urbaner Daten trägt zu einem differenzierten Verständnis von Bauflächenpotenzialen und Nutzungsmustern öffentlicher Räume bei – das Grundlagenwissen für planerische Entscheidungen verbessert sich erheblich und kann Planungsprozesse auf ein robustes Fundament stellen und nachvollziehbar kommunizieren. Digitale Anwendungen ermöglichen im Bereich der Teilhabe und der Quartiersentwicklung neue kommunikative Plattformen und Schnittstellen sowie effiziente Steuerungsmöglichkeiten der Quartiersversorgung. Digitale Technologien sind letztlich grundlegend für die Erhebung und Auswertung der urbanen Daten sowie den Betrieb und Einsatz der digitalen Anwendungen. Gleichzeitig bergen Sensoren oder Kameras im Stadtraum aber auch ein hohes Risiko hinsichtlich individueller und gesellschaftlicher Rechte im öffentlichen Raum. Sie müssen daher kontextbezogen kritisch auf ihre Risiken und Wirkungen hinsichtlich Datenschutzes, ungewollter Lock-In-Effekte und der Einschränkung demokratischer Grundrechte überprüft werden.

Maßnahmen

Nummer

Titel

Beschreibung

01

Erhebung und Auswertung urbaner Daten

Erhebung und Auswertung von Daten, die den öffentlichen Raum konstituieren; für ein vertieftes Verständnis der Nutzung des öffentlichen Raumes

02

Digitale Anwendungen

Digitale Anwendungen ermöglichen neue kommunikative Plattformen und Schnittstellen sowie effiziente Steuerungsmöglichkeiten der Quartiersversorgung